Trip to Dali

Kurz entschlossen hiess es Sonntag morgen um 7 Uhr fuer uns aufstehen und Zug-fertig machen. 9 Uhr sollte unser Zug fahren und, man mag es kaum glauben, die Abfahrt war aeusserst puenktlich. Geplante Reisezeit waren 6 Stunden (fuer satte 260-270 km Luftlinie). Ist klar, dass wir ueber eine Stunde Verspaetung hatten. Da will man doch deutsche Zugverhaeltnisse, wo man vielleicht mal 15 Minuten zu spaet kommt und dann auch noch Entschaedigung bekommen kann. Wie dem Auch sei, so gegen 17:30 Uhr kamen wir in XiaGuan an und sind dann mit dem Bus die restlichen paar Kilometer nach Dali gefahren.
Kurze Erklaerung: Dali ist kleines Kaff und somit recht ueberschaubar. Der Nachbarort XiaGuan ist dagen etwas groesser und hat einen Bahnhof (X: 100.24887329° Y: 25.59377330°). Seit einiger Zeit wird XiaGuan auch als Dali bezeichnet. Hoechstwahrscheinlich aufgrund des Tourismushypes um Dali um die ganze Schose noch mehr zu hypen. Faelschlicher Weise wird allerdings in einigen Quellen dieser Nachbarort als Dali bezeichnet, was grundsaetzlich falsch ist. Soweit so gut.
In der Altstadt von Dali sind wir dann irgendwo ausgestiegen und haben erstmal eine Unterkunft gesucht. Was waere denn da besser geeignet als die “Auslaenderstrasse”?



In dieser Strasse gibt es viele Bars, Backpacker-Hotels (wenn man das so nennen darf) und jeder Menge Leute die einem allen moeglichen Scheiss andrehen wollen. Mein Doppelzimmer mit eigenem Bad (Einzelzimmer mit Bad waren leider ausverkauft) war nicht besonders luxorioes aber alles in allem recht annehmbar. Fuer 5 Euro pro Nacht kann man da nicht besonders hohe Ansprueche stellen, ausserdem hatte ich gleich zwei Betten fuer mich allein, das ist doch schonmal was Wert. Gleich nach der Eincheckung, wurde erstmal erstmal erforscht und nachgewiesen, wieso die “Auslaenderstrasse” so heisst wie sie heisst. Die Chinesen sind schon ein Voelkchen! Da veranstalten die ganze Urlaubsreisen nach Dali um Massen von Tour-Gruppen durch diese Strasse zu Treiben. Dort, wo viele Auslaender zu Hause sind, erfreut sich diese Art von Auslaendergucken besonderer Beliebtheit. Diese rundaeugigen Exemplare sitzen in Reihe in den vielen gemuetlich anmutenden Bars und schuetten sich ein kuehles Bier nach dem anderen rein. Um dem Klischee gerecht zu werden, gesellten wir uns an einem freien Platz hinzu und praesentierten die Deutsche Kunst des verdammt-COOL-rumsitzens-und-Gerstensaftkonsumierens. Es dauerte maximal 5 Minuten bis die erste Gruppe aufgeregter Chinesen mit Kameras bewaffnet vorbei kam und auf recht deutlichen Hinweis des Tourguides (natuerlich mit Megafon bewaffnet), gemeinschaftlich im Laufen den Kopf nach links drehte und grosse Augen machte.

Fotos wurden natuerlich auch gemacht:
Klick mich!

2 Bier und eine halbe Stunde spaeter, wurde in das TsingTao Cafe House eingecheckt um zu Abend zu speisen. Die Preise waren recht ueppig, der Geschmack mittelmaessig und die Menge recht duerftig. Ein guter Grund, dieses Restaurant nicht als Waypoint festzuhalten und dort nicht so schnell wieder einzukehren. Nach ein paar Erkundungen der naeheren Umgebung war dann auch schon der erste Abend am Ende und es ging ab ins wohlverdiente Bett. Noch ein Wort zum TsingTao Cafe House: Ich meine, das ist ja nach einer chinesischen (mehr oder weniger) Edelbiermarke (a.k.a. TsingTao) benannt aber deswegen muss man das doch nicht gleich auf Budweiser-Werbung schreiben, oder?



Am naechsten Morgen dachte ich mir, kannst ja mal duschen, das machen zivilisierte Menschen angeblich so. Im schlafbesoffen Zustand als derbster Morgenmuffel seiner Art habe ich natuerlich das Schild im Bad uebersehen, worauf stand: “Fuer heisses Wasser tu mal bitte den (rechten) Warmwasserhahn aufdrehen machen tun und mind. 10 Minuten laufen lassen bis was warmes vielleicht kommt.” Ja, nach 2 Minuten dachte ich mir in meinem Nichtwissen, da gibts nueschts! Ist ja nicht so verwunderlich in China, haben wir zu Hause ja ab und an auch mal. Also wurde kalt geduscht. *brrrr* Nach dem Fruehstueck im Sunshine Cafe (X: 100.15805828° Y: 25.69645166°) wollten wir zu dem grossen See maschieren, der laut der Bedienung 45 Minuten zu Fuss weg sein sollte. (Hatte ich schonmal die chinesischen 5 Minuten erwaehnt?) Das ganze dauerte bestimmt 3 Stunden, bis wir Wasser gesehen haben. Die brennende Mittagshitze unterwegs hat mir natuerlich gleich einen ordentlichen Sonnenbrand verpasst! Am See angekommen entpuppte sich unsere Route wohl als wenig von Auslaendern besucht. Schoen wars trotzdem irgendwie:



Unser guter Orientierungssinn (und softwaretechnische Navigationsnachhilfe) hat uns dann in die Naehe des Hafens gefuehrt. Dort standen auch Busse bereit, die gern Fahrgaeste wieder nach Dali rein bringen wollten. Aber vorher musste erstmal ein kuehles Bier und chinesische Cais her.
Wieder in Dali inner City angekommen, ging es auf zu den 3 Pagoden, muss man ja auch mal gesehen haben. Ein (ich glaube nicht offizieller) oeffentlicher Bus fuhr dann auch in unsere Richtung und ab gings. Diese Pagoden sind irgendwie recht eindrucksvoll und bei solchen Bauwerken frage ich mich manchmal, wieso die ueberhaupt stehen bleiben? Was die Chinesen manchmal fuer einen Mist (Sorry fuer den Ausdruck, ist aber so) verzapfen, ist unglaublich. Allerdings sind auch knappe 40% der Bruecken in China (offizielle Statistik) einsturzgefaehrdet. Zurueck zu den Pagoden, hier sind sie:



Ja, das hat alles ein wenig angestrengt. Nach einem kurzen Nickerchen im Hotel (;)) gings dann zum abendlichen Streifzug durch die nahegelegenen Bars. Bei der einen war ein Art Feuershow angekuendigt und wir, clever wie wir sind, haben uns erstmal den besten Platz gesichert und somit hab ich auch ein gutes Foto abbekommen:



Einige Bierchen spaeter in recht lustigem Zustand, gings mal in die Birdbar (X: 100.15806156° Y: 25.69487160°). Diese Bar ist recht beruechtigt in Dali, denn dort wird so ziemlich alles konsumiert, was Rauch fabriziert. Wir hatten den Abend vorher schonmal nen kurzen Abstecher dahin gemacht, nur da war echt nix los. An diesem Abend ging es und man roch es schon beim reingehen. Naja, von aussen sieht der Laden eigentlich nicht gerade einladend aus, ist einer dunklen Gasse gelegen und hat nen leicht veraltetes Schild draussen haengen:



Aber drinnen ists echt gemuetlich, ehrlich! OK, mehr als ein Bier ging an dem Abend nicht mehr, also wollten wir dann irgendwann wieder los. Nur noch kurz das Bier wegbringen, dachte ich mir. Auf dem Gang zum WC (naja…) lag dann gleich mal nen riesen Hund (ich glaube Dalmatiner oder eine verwandte Art) mitten aufm Weg. Hab wirklich nur ganz knapp seinen Kopf verfehlt, beim drum herum Taumeln. Und was entdecke ich da waehrend ich schwankend in dem 1x1m Kabuff stand?



Erst dachte ich, das waere so ein Gummitierchen (hehe, meine Wortspiele sind der Hammer!) aber eine Antatsch-probe hat es die halbe Wand lang laufen lassen…
Danach drehten wir noch eine kleine Runde durch die Stadt, die mittlerweile schon recht leer geworden war. Kein wunder, war auch kurz vor 12 oder sowas in der Drehe. Wie die Laster so sind, muessen sie gefroehnt werden. Also haben wir an der zetralen Kreuzung in der Fussgaengerzone angehalten, wo 3 Nachtgrillstaende (X: 100.15951490° Y: 25.69708663°) nebeneinander waren. Dieser Dinger sind immer hammerlecker und man kann einfach nicht vorbei gehen. Naja, ausserdem trifft man da auch sehr oft andere Leute, die den Abend auch ausklingen lassen und kontaktfreudig sind. Da sind wir ja nicht so! Wenn die uns einladen sich mit an ihren Tisch zu setzen, ein bisschen zu quatschen und zusammen Bier zu schluerfen, wer sagt denn da nein? Aufgrund der angeheiterten Stimmung kamen dann auch recht interessante Fotos zustande:



Aber jetzt mal nix falsches denken hier! Waren 3 Maedels! 🙂 Naja, und noch 5 Chinesen, die alle zusammen einen Firmenausflug von ihrer Beijinger Firma machten. Recht lustige Leute, aber irgendwann wollten die auch schlafen und unsere Wege trennten sich wieder…
Also hiess es fuer uns auch, Abmarsch ins Bett. Am naechsten Tag gings dann auch schon wieder heim. Diesmal mit dem Bus. Erstmal den Busbahnhof (X: 100.21935999° Y: 25.58884829°) zu finden, ist gar nicht so einfach. Aber irgendwann kamen wir da an und es war gerade 20 Minuten bevor ein Bus nach Kunming abfaehrt, besser haette es nicht laufen koennen. Vorteil des Busses: Fahert nur 5 Stunden (im Gegensatz zu den 7 Stunden des Zugs). Nachteil: er ist 3-mal so teuer und meiner Meinung nach auch nicht so convenient (das Lieblingswort der Chinesen!). Ganz abgesehen davon ist der Busfahrer ein bisschen verrueckt gewesen! OK, er hatte nen Volvo unter seiner Fuehrung, aber deswegen kann man ja auch mal von der linken Spur auf die rechte wechseln und nicht volle Suppe durch die Kurven heizen. Das beste ist, dass wenn mal Autos auf der fast verlassenen Autobahn vor uns waren, dann haben die sich gegenseitig ueberholt. Ist klar, dass der Bus dann auf der linken Spur mit Dauerhupe recht gut aufgefahren ist, bis die Platz gemacht haben. Also Bus hat echt verloren!
Irgendwann kamen wir wieder in Kunming an, wo sich die aktuelle Regenzeit auch gleich wieder meldete…

So, und nun noch ein paar allgemeine Sachen, die in Dali recht interessant waren.
1. Der China-Telecom-Experte:

Ein Wunder, dass hier nicht viel oefter was ausfaellt!

2. Die lokale Dali-Koks-Produktion laeuft auf Hochtouren:


3. Hier haben wir gewohnt:

(X: 100.15607494° Y: 25.69566160°)

4. Das Tor zum “Meer”:

Von hier aus waren es dann nochmal knappe 2 Stunden ueber freies Feld (auf dem Feldweg natuerlich) bis wir da ankamen.

5. Die Altstadt von Dali aus 2 Blickwinkeln:


6. Last but not least, “Die lokalen Drogendealer”:

Ja, man mags nicht glauben. Aber alle 2 Minuten wird man dort von Frauen, meist in solchen Trachten oder manchmal auch ohne, angesprochen. Ihre Maschen sind: Sie zeigen dir ein kleines Buch mit irgendwelchen Bildern von irgendwas, was sie verkaufen wollen oder sie zeigen so komische, nicht besonders schoen aussehende, Armreifen, die sie angeblich verkaufen wollen. Nach 3 “Ich will nix!” sagen, hauchen sie einem ganz leise ins Ohr: “Somking Haschisch?” Naja, wenn man dann noch 10 mal sagt, dass man nichts will, dann hauen sie ab. Kommt man aber nochmal an ihnen vorbei, geht die ganze Sache wieder von vorne los. Natuerlich gibt es nicht nur die 2, ich denke mal, dass so ca. 20 solcher Frauen dort rumgelaufen sind…

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5 Replies to “Trip to Dali”

  1. Jetzt hast du dich aber angestrengt. Super Reisebericht und natrlich auch super Bilder. Es geht doch…..

  2. Ja klar gehts! Hier sind doch nur faehige Leute am Werk! 😉

    Ausserdem befriedige ich gern die Beduerfnisse meiner Lesergemeinde auch wenn sie nicht ganz so gross ist 🙂

  3. Na dann will ich dich auch mal motivieren: Nur weiter so! Macht spa zu lesen!

  4. Hi Kozen, da du in Sachen Navigationstechnologie sehr bewandert zu sein scheinst, solltest du auf jeden Fall mal einen Blick auf die Softwaretechnische Meisterleistung des Unternehmens Keyhole werfen zu finden hier:

    http://earth.google.com

    ich vermute, dass dies nichts neues fr dich ist aber koennte sein dass das Teil an dir vorrueber gegangen ist.
    Auf jeden Fall ist mir mehrmals beim Ranzoomen auf Grostdte wie Paris, Bagdad oder New York die Kinnlade heruntergeklappt. Und die integrierten Features sind sensationell, unbedingt anschauen und staunen.

    liebe Gre
    Paul

  5. Hehe, jo Paule, kenne ich. Ist recht nett deren Tool, hab ich installiert und benutze es ab und an. Wir haben sowas aehnliches aufm handy gemacht. Allerdings eben ohne 3D-Terrain usw. ist ja nen bisschen schwaecher an Rechenpower so nen mobile device. Aber die Nasa hat vor ein paar Wochen WorldWind vorgestellt, was so aehnlich wie google earth ist. Allerdings suckt worldwind ein bisschen, g-e finde ich besser.
    Achja, die Genauigkeit der Satellitenfotos von worldwind ist allerdings (bsp. L.A.) um einiges genauer! Ist halt alles ne Frage der Daten…

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